Gewerbeakademie muss erhalten bleiben!
Bürgermeister der Region appellieren an die Handwerkskammer
Schopfheim. Mit großer Sorge verfolgen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des
Mittleren und Oberen Wiesentals, Weil am Rhein, Binzen sowie der angrenzenden
Kommunen im Landkreis Waldshut die aktuellen Entwicklungen rund um den Standort der
Gewerbeakademie Schopfheim. Die derzeit im Raum stehende Schließung der für das
regionale Handwerk bedeutenden Ausbildungsstätte wäre ein schwerer Rückschlag für die
gesamte Region.
Zwar ist eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Gewerbeakademie noch nicht
gefallen und obliegt der Vollversammlung der Handwerkskammer, die im Herbst darüber
beraten wird. Nach den bisherigen Aussagen der Spitze der Handwerkskammer erscheint
eine Schließung des Standorts jedoch wahrscheinlich. Hintergrund ist die derzeit fehlende
Förderfähigkeit aufgrund einer zu geringen Auslastung.
Bereits im vergangenen Jahr hat sich deshalb eine Interessengemeinschaft (IG) zum Erhalt
der Gewerbeakademie Schopfheim gebildet, in der sich unter anderem Bürgermeisterinnen
und Bürgermeister der Region engagieren. Die IG hat der Handwerkskammer bereits
konkrete und umsetzbare Vorschläge unterbreitet, wie der Standort Schopfheim erhalten und
gleichzeitig deutlich besser ausgelastet werden kann. Aus Sicht der Kommunen sollte dieses
Potenzial genutzt werden, anstatt vorschnell eine Schließung in Betracht zu ziehen.
Für die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ist klar: Statt den Standort aufzugeben,
müssen alle Beteiligten gemeinsam nach Lösungen suchen, um die Zahl der
Auszubildenden in Schopfheim wieder zu erhöhen und die langfristige Zukunft der
Gewerbeakademie zu sichern.
Schopfheims Bürgermeister Dirk Harscher betont: „Die Gewerbeakademie ist ein
unverzichtbarer Baustein der beruflichen Bildung und der Fachkräftesicherung in unserer
Region. Eine Schließung hätte weitreichende Folgen für das Handwerk, die
Ausbildungsbetriebe und die jungen Menschen im Wiesental und den angrenzenden
Gemeinden.“
Gerade die wohnortnahe Ausbildung sei ein entscheidender Standortvorteil. Kurze Wege
erleichtern Auszubildenden den Zugang zur überbetrieblichen Ausbildung und entlasten
sowohl die jungen Menschen als auch die Ausbildungsbetriebe. Müssten die Auszubildenden
künftig deutlich längere Anfahrtswege in Kauf nehmen, bestehe die Gefahr, dass sich
weniger junge Menschen für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden oder Betriebe bei
der Gewinnung von Nachwuchs zusätzlich vor Herausforderungen stehen.
Darüber hinaus hätte eine Schließung auch erhebliche Auswirkungen auf die
Berufsorientierung in der Region. Insbesondere die sogenannten JET-Tage, an denen
Schülerinnen und Schüler verschiedene Ausbildungsberufe praxisnah kennenlernen können,
würden einen wichtigen Standort verlieren. Gerade das Angebot in Schopfheim ermöglicht
es jungen Menschen, an einem Ort eine Vielzahl unterschiedlicher Handwerksberufe
kennenzulernen und erste praktische Eindrücke zu gewinnen. Für die Schulen der gesamten
Raumschaft wäre der Wegfall dieses Angebots ein herber Verlust.
Die Kommunen sehen darin nicht nur ein Problem für einzelne Betriebe, sondern für die
wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region. Das Handwerk sei ein unverzichtbarer
Pfeiler der regionalen Wirtschaft und leiste einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung
qualifizierter Arbeitsplätze.
Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister appellieren daher eindringlich an die
Verantwortlichen der Handwerkskammer, den Standort Schopfheim nicht vorschnell
aufzugeben. Vielmehr müsse gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren auf Grundlage der
bereits vorliegenden Vorschläge nach tragfähigen Konzepten gesucht werden, um die
Auslastung der Gewerbeakademie nachhaltig zu steigern und die Förderfähigkeit wieder zu
erreichen.
Harscher: „Die Zukunft des Handwerks entscheidet sich auch vor Ort. Deshalb brauchen wir
starke Ausbildungsstandorte in der Fläche. Die Gewerbeakademie Schopfheim ist für unsere
Region von zentraler Bedeutung und verdient eine echte Zukunftsperspektive. Wir fordern
die Handwerkskammer auf, gemeinsam mit allen Beteiligten die bereits aufgezeigten
Lösungsansätze aufzugreifen und konstruktiv weiterzuentwickeln, anstatt den Standort zu
schließen.“